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SBWL Finance – ein Erfahrungsbericht

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Aktien, Bitcoins, Hedging … Diese Begriffe tauchen in unserer heutigen Zeit immer häufiger auf und erregen natürlich das Interesse der meisten Wirtschaftsstudenten. Die SBWL Finance verspricht tiefere Einblicke in diese Themen und soll als Sprungbrett für einen Job in Sektoren wie Banking, Insurance, oder Risk Management dienen. Traum-SBWL oder zu schön um wahr zu sein? Meine persönlichen Erfahrungen mit der Spezialisierung könnt ihr hier lesen.

Die Qual der Wahl auf der WU

Als ich endlich am Ende des CBKs angelangt war und die Anmeldung für die SBWLs immer näher rückte, wurde ich bald mit der Frage konfrontiert, welche Spezialisierung wohl die Richtige für mich wäre. Aufgrund meines anfänglich nur durchschnittlichen Notenschnitts wurde mir die Entscheidung ein wenig leichter gemacht, da einige der Auswahlmöglichkeiten bereits von Beginn an ausschieden. Nach einem kurzen Blick auf die Anforderungen für die SBWL Finance fiel mir meine Entscheidung nicht mehr allzu schwer. In dieser stehen pro Semester nämlich 300 Plätze zur Verfügung, es gibt keine Aufnahmeprüfung und alle Studenten, die mindestens einen 3er auf Finanzierung haben, sind quasi automatisch aufgenommen. Jackpot war mein erster Gedanke – und schon war ich angemeldet.

Kurs 1 – die Excel Problematik

Nach dem ersten Abgleich der Professorenauswahl für Kurs 1 mit Profcheck war ich genauso ahnungslos wie zuvor. Kein einziger Vortragender hatte durchwegs positive Bewertungen und einige Kommentare waren regelrecht katastrophal. So entschied ich mich für die zeitlich und bewertungstechnisch beste Option für mich und landete im Kurs von Professor Gasser.

In der Vorlesung herrschte teilweise Anwesenheitspflicht und es gab in den meisten Einheiten zu Beginn einen kleinen Test über den Stoff der vorherigen Stunde. Die Gesamtnote setzte sich außerdem noch aus einer Excel Gruppenarbeit und einer Abschlussprüfung über den gesamten Unterrichtsstoff zusammen.  Die kleinen Tests und die große Endprüfung waren mit Hilfe der Online Unterlagen (Folien und Beispielsammlung) leicht zu bewältigen.

Die eigentliche Challenge des Kurses stellte jedoch die Excel Gruppenarbeit dar, die später spontan in einer der Unterrichtseinheiten zu lösen war. Die Aufgabe war es, sich Daten eines Unternehmens aus dem Internet herunterzuladen und mit diesen Zahlen dann einige Berechnungen durchzuführen.  Zu Beginn war es sehr wichtig sich aus der Menge der Mitstudenten diejenigen herauszupicken, die bereits Excel Erfahrung aufweisen konnten. Leider gelang mir das nicht und ich landete schließlich zusammen mit zwei ahnungslosen Kollegen in einer Gruppe. Man bekam im Unterricht auch sehr wenig Informationen über den Aufbau der Arbeit und es wurde generell nichts in Excel selbst vorgezeigt, geschweige denn, dass es Lernunterlagen von Seite des Instituts gab. Mit Hilfe eines Angabebogens der Prüfung aus dem letzten Semester (Vorsicht! Die Aufgaben können sich bei jedem Antritt ändern) und unzähligen YouTube Tutorials konnte ich mir schließlich die erforderlichen Skills für die Arbeit aneignen. Unsere Gruppe war schlussendlich auch eine der wenigen Auserwählten, die die Excel Challange am Ende halbwegs erfolgreich lösen konnte.

Finance Fachprüfung – Challenge accepted

Nachdem ich mich erfolgreich durch Kurs 1 gekämpft hatte, stand ich nun vor der größten Herausforderung meines gesamten Studiums – der Finance Fachprüfung. Um diese gefürchtete 12 ECTS Klausur ranken sich viele erschreckende Mythen und leider musste ich am eigenen Leib erfahren, dass die meisten davon wahr sind. Es gibt kaum Lernunterlagen des Instituts, bis auf die Folien, welche mit Theorie überfüllt sind, und einige Altklausuren mit schlechten bis gar nicht ausgearbeiteten Lösungswegen. Alternativ konnte man sich von anderen Studenten privat Lernpakete kaufen, welche aus einer größeren Aufgabensammlung bestanden.

Was den Besuch der Vorlesung angeht, kann ich nur zwei Vortragende empfehlen, welche leider auch nicht immer Kurse anbieten. Der erste ist Professor Kranner für Kurs 3, welcher den für mich äußerst anspruchsvollen Lehrstoff sehr gut erklärt hat. Diesen Kurs kann ich jedem wirklich weiterempfehlen. Der zweite ist Professor Mürmann für Kurs 4. Hier bekommt man nicht nur den Unterrichtsstoff sehr gut erklärt, sondern auch viele Infos über Vorgänge in der echten Welt und Tipps fürs eigene Leben (z.B. welche Versicherungen man wirklich abschließen sollte, wo man abgezockt wird etc.). Außerdem kann man sich auch nach einem sehr guten Ergebnis auf die Fachprüfung an ihn wenden und bekommt mit ein wenig Glück ein Empfehlungsschreiben.

Für einen positiven Abschluss der Prüfung sollte man sich ca. ein Monat lang hinsetzten und aktiv den Stoff durchgehen. Als zusätzliche Unterlagen eignen sich auf jeden Fall die angebotenen Lernpakete von anderen Studenten und das Buch „Options, Futures, and Other Derivatives“ von Hull als Nachschlagewerk.

Endspurt und Bachelorarbeit

Da ich den Kurs 5 bereits im Ausland erledigt hatte, war ich nach der Fachprüfung auch schon fertig mit der SBWL. Wer also die Möglichkeit hat für ein Semester an einer anderen Uni zu studieren, sollte sich auf jeden Fall Gedanken darüber machen, diesen Kurs dort zu absolvieren, da er an fast allen Partneruniversitäten auch angeboten wird.

Zum Schluss hat sich für mich noch die Frage gestellt, ob ich nicht nach all den Strapazen dieser SBWL meine Bachelorarbeit im Bereich Finance schreiben will. „Überraschenderweise“ lautete meine Antwort hier nein. Die schlechte Betreuung durch das Finance Institut hat mich bereits im Vorhinein abgeschreckt und außerdem ist es auch nicht möglich, sich ein Thema für die Arbeit selbst auszusuchen. Die angebotenen Themen werden nämlich an die besten Bewerber ausgelost und man muss sich leider mit seiner Zuteilung abfinden.

Fazit

Trotz der schlechten Betreuung von Seiten des Finance-Instituts und dem Mangel an hilfreichen Lernunterlagen, habe in der SBWL Finance vieles lernen können (das meiste zwar im Selbststudium, aber immerhin). Vermutlich würde ich mich erneut für diese SBWL entscheiden, da ich mir gerne selbst Dinge beibringe und mich die Thematik immer noch sehr interessiert. Wem jedoch eine starke persönliche Betreuung durch das Institut und geregelte Lernunterlagen wichtig sind, dem kann ich leider nur von dieser Spezialisierung abraten.

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