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Unternehmens-Führung – ein Erfahrungsbericht

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Unternehmensführung und Controlling gilt als eine der beliebtesten SBWLs auf der WU. Dieser allgemeine Hype um die SBWL hat auch mich, zusammen mit dem Fakt, dass es keinen Aufnahmetest gibt, dazu bewogen, mich für Unternehmensführung und Controlling zu bewerben. Als ich später in den Kursen der SBWL saß, musste ich diese Entscheidung leider stark hinterfragen. Die Gründe dafür möchte ich in diesem Artikel darlegen.

Aller Anfang ist schwer – gerade auf der WU

Nach zwei Semestern auf der WU ist man immer noch ziemlich grün hinter den Ohren. Mir ging es zumindest so. Die Prüfungen sind zwar alle super gelaufen, aber mit Dingen wie Spezialisierungen oder wo ich mein Auslandssemester verbringen möchte hatte ich mich noch gar nicht beschäftigt. Als ich schließlich in den Sommerferien zum ersten Mal auf die Liste mit den unzähligen SBWLs schaute, war ich einigermaßen überfordert. Das Programm war reichhaltig, die meisten Titel sagten wenig aus und die Informationen waren weit verstreut auf den Homepages der einzelnen Institute.

In den folgenden Tagen redete ich viel mit Freunden über die verschiedenen Spezialisierungen. Dabei kristallisierte sich schnell heraus, dass eigentlich so ziemlich jeder gern Unternehmensführung und Controlling machen möchte. Der Titel klang mal nicht schlecht, also informierte ich mich etwas genauer. Auch wenn ich nicht wirklich schlau darüber wurde, was man dort tatsächlich lernen wird, so fand ich es doch sehr sympathisch, dass man hier für keinen Aufnahmetest lernen musste. Also schnell angemeldet, Dokumente hingeschickt und wenig später war ich auch schon aufgenommen. Alles wunderbar – oder doch nicht?

Apfelsaft und ganz viele Prüfungen Kurs 1

In Kurs 1 wird man gleich einmal in eine Gruppe eingeteilt, mit der man ein Consulting-Projekt durchführen muss. Der Klient war bei uns ein fiktives Apfelsaftunternehmen, für das wir anhand verschiedener Tools, die uns im Unterricht vorgestellt wurden, die unterschiedlichsten Strategien erstellen mussten – welche Produkte sollen gepushed bzw. eingestellt werden, welche neuen Märkte soll man erschließen etc.. Das Projekt an sich, das mit einer Endpräsentation vor einer Jury endete, wo man im Anschluss an die Präsentation wie ein Verbrecher verhört wurde, war eigentlich schon Aufwand genug für 4 ECTS – doch wenn man das glaubt, hat man die Rechnung ohne das IfU gemacht.

Denn dieser Kurs ist auch theoretisch eine Herausforderung. Es werden viele – zugegebenermaßen sehr nützliche – Konzepte durchgemacht. Mein größter Kritikpunkt ist allerdings, dass vor jeder Einheit ein zehnminütiges Quiz (die 10 Minuten wurden exakt gestoppt!) über den Stoff der folgenden Einheit durchgeführt wurde. Das heißt, man musste den Stoff lernen, eine Prüfung darüber schreiben, und sich anschließend exakt diesen Stoff im Unterricht anhören. Der Sinn des Ganzen? Mir hat er sich nicht erschlossen.

Doch damit war das Ganze noch nicht erledigt – am Ende des Semesters musste man zusätzlich noch einen – ziemlich schweren – Abschlusstest absolvieren. Also das Fazit zu Kurs 1 ist in aller Kürze, dass der unterrichtete Stoff nützlich und durchaus interessant ist, der Arbeitsaufwand aber dennoch in keinem Verhältnis zu den 4 ECTS-Punkten dieses Kurses steht.

Bisschen Controlling, sehr viel Consulting …

Hat man allerdings Kurs 1 einmal geschafft, so ist der Rest der SBWL ein ziemliches Geschenk. In Kurs 2 muss man einige Kennzahlen, wovon die meisten schon bekannt sind, berechnen und einige wenige Beispiele im Bereich des IFRS Accountings lernen, die auch 1:1 wie sie im Unterricht durchgenommen werden zur Prüfung kommen.

Bezüglich der Kurse 3 und 4 kann ich nur Auskunft zum englischsprachigen Business Project geben. Kurs 3 ist anfangs relativ viel Arbeit, da man ein paar hundert Seiten Material über ein Thema bekommt, über das man als Gruppe innerhalb von zwei Wochen ein Referat zusammenstellen muss, das beim Kick-Off Event in Retz zu halten ist. Dabei ist man zwei Tage in einem Seminarhotel untergebracht und der Fokus liegt ganz klar auf Teambuilding – eigentlich ganz lustig, vor allem wenn man mal ein paar Bier intus hat.

Nach dem Auftakt in Retz bekommt man das eigentliche Consulting-Projekt präsentiert, in meinem Fall mit einem namhaften Sprachreiseanbieter. Wie hoch der Arbeitsaufwand hier ist, hängt davon ab, wie motiviert die Gruppe ist, in der man sich befindet – man kann sich das Leben relativ einfach machen, aber eben auch sehr, sehr schwer. Im Allgemeinen läuft der Unterricht so ab, dass man seine Ideen präsentiert und diese anschließend von den Professoren zerrissen werden. Man soll also immer noch mehr nachforschen, noch mehr machen usw.

Das Power-Point-Theater und der große Speckbacher

Das Schlimmste am Ganzen ist aber das Theater, das um die Power Point Slides gemacht wird. Man muss dabei allerhand Formkriterien (von Consultinggrößen wie BCG festgelegt) einhalten und sehr kreativ Slides mit ganz vielen bunten Bildern erstellen. Nachdem man für seine Präsentation circa 2 Stunden pro Slide gearbeitet hat, wird diese anschließend zerlegt, sodass man eine weitere Stunde jede Slide überarbeitet, dass sie nochmal zerrissen wird, und nach weiteren 30 Minuten Arbeit passt. Der Tipp hier ist ganz klar: macht weniger Slides, dann habt ihr auch weniger Arbeit. Insgesamt sind Kurs 3 und 4 zusammen aber, wenn man das Ganze nicht zu ernst nimmt, halbwegs gemütlich und im Endeffekt kriegt, so war’s zumindest bei uns, ohnehin jeder seinen Einser.

In Kurs 5, der vom großen Professor Speckbacher persönlich gehalten wird, kommt stofflich nichts Neues mehr dazu – es ist mehr eine Wiederholung des bisher Gelernten. Speckbacher an sich ist ein guter und unterhaltsamer Vortragender, die schriftliche Prüfung ist außerdem ziemlich einfach. Anschließend ist auch noch eine mündliche Prüfung zu absolvieren, für die man einige Artikel aus akademischen Journals vorbereiten und ihm über einen, den er auswählt, erzählen muss. Man kann ihn dabei aber auch relativ einfach in Richtung des gewünschten Artikels lenken. Anschließend kommen noch ein oder zwei Fragen zum Stoff, und schon bekommt man eine IfU-Tasse geschenkt und hat die SBWL abgeschlossen.

Nicht so wirklich das Richtige für mich

Was hat mir die SBWL gebracht? Einige gute Konzepte aus Kurs 1 und die Überzeugung, dass klassisches Business Consulting höchstwahrscheinlich nichts für mich ist. Ansonsten konnte ich Unternehmensführung nicht wirklich etwas abgewinnen – und auch der Name ist irreführend, denn über Management lernt man hier wenig bis gar nichts. Ein wesentlich aussagekräftigerer Titel wäre „Consulting and Controlling“ – das würde den unterrichteten Stoff im Kern treffen. Im Nachhinein betrachtet würde ich wahrscheinlich eine andere SBWL wählen, die mich persönlich mehr anspricht. Da es bisher nirgends eine gute Übersicht über alle SBWLs gab, haben wir es uns zur Aufgabe gemacht, dir eine solche Übersicht, gepaart mit Erfahrungsberichten, zur Verfügung zu stellen – dann kannst du wahrscheinlich eine besser informierte Entscheidung treffen, als es bei mir der Fall war.

Du hast auch Unternehmensführung gemacht? Dann teile deine Erfahrungen mit uns in den Kommentaren!

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